Ein wichtiges Thema in diesem Blog ist die Entropie. Ich behandle sie informationstheoretisch. Man kann sie vom Zusammenhang mit Energie und Materie befreien und als dimensionslose Zahl darstellen. Die weitergehende Erklärung überlasse ich Arieh Ben-Naïm.
Arieh kenne ich persönlich. Er läuft nicht in Gefahr, mit dem Entropie-Thema in das Mystische abzuheben. Das ist gut, denn wenn der Umgang mit dem Thema zu “geistig” wird, bekomme ich Bauchschmerzen. Darum möchte ich hier warnen, dass uns der informationstheoretische Ansatz nicht von den profanen Zwängen der Physik befreit. Den Begriff der “freien Energie” beispielsweise gibt es zwar in der Physik, aber frei bedeutet nicht, dass hier irgendetwas kostenlos angezapft werden kann, was bisher irgendwie ungenutzt als “Raumenergie” im Raum herumschwirrte. Hier etwas Gegengift, damit wir mit der Entropie nicht ins Mystische abheben:
Chaos:
Jean Bricmont
Physique Théorique, UCL,
B-1348 Louvain-la-Neuve, Belgium
Science of Chaos or Chaos in Science?
Physicalia Magazine, 17, (1995) 3-4, pp.159-208
Entropie und Information:
Auf die Raumenergie-Geschichte bin ich gestoßen, als ich mal wieder ein bisschen googelte, um zu sehen, wie es Michail Wladimirowitsch Wolkensteins Entropie und Information (1986) geht. Man kann das Büchlein ja auch in den falschen Hals bekommen, aber da kann der Autor nichts dafür. Leider ist es vergriffen und zwei russische Verlage streiten sich um das Urheberrecht. Das ist schade, dann Wolkenstein beschreibt die Bedeutung von Entropie sehr anschaulich und doch nüchtern wissenschaftlich.
Allerdings gibt es unter dem Titel Entropie und Information – Naturwissenschaftliche Schlüsselbegriffe (1997) noch an anderes sehr empfehlenswertes Buch, das sich “an Physiklehrer, aber auch an Chemiker und Biologen wendet”. Der Autor ist Wolfgang Salm.
Struktur und Bedeutung:
Auch schon nicht mehr so einfach zu bekommen ist Norbert Bischofs Struktur und Bedeutung (1998), eine Einführung in die Systemtheorie für Psychologen. Besonders interessant fand ich in dem Buch die Erläuterung der verschiedenen informationstheoretischen Entropien und das Kapitel über Semantik. Das Buch lege ich allen ans Herz, die ihre Umwelt verstehen und das Verstehen selbst verstehen wollen. (Der Autor schafft es, einerseits die Z-Transformation so darzustellen, das Abitur-Mathematik zum Verständnis ausreicht und andererseits philosophische Fragen streng und gleichzeitig humorvoll zu behandeln.) Es ist außerdem ein schönes Buch und einfach gut zu lesen.