Archiv für die Kategorie ‘Politik’

Beleidigung der Esel

Mittwoch, 17. Februar 2010

Westerwelle darf sagen, was er will. Auch Dummheiten sind erlaubt. Er hat recht, und weiß nicht, warum: Wir sind tatsächlich in die Krise geraten, weil Dekadente reich werden konnten, ohne Leistung zu erbringen. Und es ist die FDP, die Steuerflüchtlinge vor Verfolgung schützen will.

Westerwelles Gekeife ist ein Ablenkungsmanöver. Es ist nicht nur bösartig und ein Problem der Wortwahl, sondern Westerwelle verbreitet schlicht eine Unwarheit, die vom Leiter der Bundesagentur für Arbeit mit Fakten einfach zu widerlegen war. Die Grundannahmen für Westerwelles Weltbild stimmen nicht.

Westerwelle benutzt für sein schäbiges Geschäft die Armen und Ärmsten, die er gegeneinander ausspielen will. Esel dagegen sind eigentlich ganz liebe Tiere. Man sollte sie nicht mit Westerwelle gleichsetzen.

www.Wachstum-Bildung-Zusammenhalt.de

Sonntag, 25. Oktober 2009

Ich konnt’s mir einfach nicht verkneifen. Für “Wachstum-Bildung-Zusammenhalt” muß die Merkelwalze ran: “Merkel muss ganz sicher ihren Stil ändern. In der Großen Koalition hat sie moderiert, in der Kleinen muss sie weitaus stärker das Prinzip der Richtlinienkompetenz für sich in Anspruch nehmen. Sie muss also weitaus mehr und deutlicher regieren als in der Vergangenheit.” (Wolfgang Schroeder, Tagesschau 2009-10-24).

Und hier die Lizenz für das Merkelwalzen-Bild
(Westerwelle, bitte vorlesen):
Creative Commons License
Merkelwalze by Goetz Kluge is licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 3.0 Germany License.


www.Wachstum-Bildung-Zusammenhalt.de

FDP bereitet Umverteilung vor

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Hermann Otto Solms: “Das ist kein Schattenhaushalt, das ist ein Nebenhaushalt.”

http://www.fdp-bundespartei.de/webcom/show_article.php?wc_c=1412&;wc_id=66: “Union und SPD sind in der Haushaltspolitik gescheitert. Das angestrebte Ziel eines ausgeglichenen Haushalts im Jahr 2011 wird nicht erreicht. Trotz Steuermehreinnahmen des Bundes von über 150 Mrd. Euro hat sich der Bund jedes Jahr neu verschulden müssen. Insgesamt über 90 Mrd. Euro an neuen Schulden sind im Zeitraum 2006 bis 2009 hinzugekommen. Die Bundesregierung hat die sehr guten konjunkturellen Phasen der Jahre 2006 bis 2008 ungenutzt verstreichen lassen. Statt die Neuverschuldung auf Null zu reduzieren und Haushaltsüberschüsse zu erwirtschaften, wurden die Ausgaben um rd. 38 Mrd. Euro ausgeweitet. Es wurde bei der Haushaltskonsolidierung nicht auf Ausgabenbegrenzung, sondern einzig auf Einnahmenerhöhung in Verbindung mit massiven Steuererhöhungen gesetzt. Die wesentlichen Gründe für das Scheitern in der Haushaltspolitik liegen in einem mangelnden Sparwillen und in einer falsch angelegten Konzeption in der Finanzpolitik. Schulden sollten nicht versteckt werden. Die FDP lehnt daher Nebenhaushalte ab. Die Haushaltssituation beim Bund erfordert einen nationalen gesamtstaatlichen Kraftakt. Deutschland wird letztendlich nur mit einer wachstumsorientierten Finanzpolitik aus der Schuldenfalle kommen. Dabei setzt die FDP auf eine Doppelstrategie des Konsolidierens und Reformierens.”

http://www.daniel-volk.info/files/Newsletter/Newsletter_07-2009.pdf (Dr . Daniel Volk, … Sprecher der FDP-Bundestagfraktion für den Europäischen Wirtschafts-
und Rechtsraum): “Schatten- und Nebenhaushalte stoppen!”

http://www.fdp-muelheim.de/programm.php (2009-10-21): “In der Vergangenheit wurden bewusst städtische Beteilungsformen gesucht und genutzt, um in einer Art Nebenhaushalt über öffentliche Gelder zu verfügen. Dieses System führt weder zu effizienter Verwendung der Gelder noch ist es ein Beispiel wünschenswerter Privatisierung. Hier muss Transparenz geschaffen werden.”

Deus ex machina

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Hier geht es um zeitgemäße Missionsarbeit und um die Umverteilung von Gewerkschaftsmitgliedern.

Die rbb Reporter berichteten (Do 15.10.09 09:30 – 10:00): Wenn der Arbeitgeber pleitegeht – Unterwegs mit dem Insolvenzverwalter. Um etwa 09:50 (gegen Ende der Sendung) gab es dann die Lösung für die Laola-Wäscherei in Lübben: Der neue Investor übernimmt, wenn die Belegschaft aus der IG Metall austritt und in eine Christliche Gewerkschaft eintritt.

“Laola betreibt in Lübben (Dahme-Spreewald) eine Großwäscherei und vermietet Wäsche an Krankenhäuser und Altenheime. Die Firma beschäftigt 86 Mitarbeiter. Sie hatte zuletzt eine gute Auftragslage, war jedoch aufgrund von Altverbindlichkeiten in Zahlungsschwierigkeiten geraten.” (Lausitzer Rundschau 2009-04-17). “Das haben wir schon immer so gemacht? Den Satz will ich knacken!”, meinte die dynamische Geschäftsführerin im Jahr 2005 (RKW Brandenburg GmbH Rationalisierungs- und Innovationszentrum: .Kompetenzsteigerung durch Qualifizierungsmanagementsysteme, 2006-01-13, S.10-12)

Der neue Investor ist die Sitex-Gruppe mit Hauptsitz in Minden (Nordrhein-Westfalen). Im Gegensatz zum RBB berichtete die Lausitzer Rundschau (2009-09-10) nicht mit gleichem Tiefgang über die neue christliche Orientierung des Unternehmens, mit der 80 Arbeitsplätze gerettet werden konnten: Insolvenzverwalter Sebastian Laboga aus der Sozietät Kübler teilte dem Blatt mit, dass Sitex ein potenter und breit aufgestellter Investor sei, der “sowohl von seiner Ausrichtung als auch von seiner Unternehmenskultur hervorragend zu Laola” passe.

Nachtrag 2009-10-16: nach dem Feedback, das ich bekommen habe, scheint nur ein Teil der Belegschaft “christlich” (d.h. Mitglied einer “christlichen” Gewerkschaft) geworden zu sein.

Verteilungssünden

Sonntag, 11. Oktober 2009

Claus Schäfer (2007-11-23): Erste Reue über Verteilungssünden? – Zur Einkommensentwicklung 2006

Zwei Grenzen des Wachstums

Sonntag, 11. Oktober 2009

Le Monde diplomatique, Karl Georg Zinn, 2009-07-10:
Sättigung oder zwei Grenzen des Wachstums
John Maynard Keynes hat über die kleine Not des Augenblicks hinausgedacht

Montag, 05. Oktober 2009

Tagesschau 2009-01-05: Konflikte bei Koalitionsverhandlungen

Die vierte Gewalt

Samstag, 26. September 2009

Die vierte Gewalt funktioniert im Großen und Ganzen. “Die Medien” bekommen viel Schelte, aber es muss doch auch einmal gesagt werden, dass sie gerade im Wahlkampf 2009 den Parteien, die auf Inhaltslosigkeit (und damit Verantwortungslosigkeit) setzten, einen kräftigen Strich durch die Rechnung machten. Ein Beispiel (unter erfreulich vielen Bespielen) ist die Wahlinformation der Tagesschau.

Es gibt viele Wertekategorien. Im Lauf der Zeit hat sich für mich erwiesen, dass eine der neutralsten von ihnen wohl die Wichtigste ist: Transparenz. Wenn Transparenz in einer Gesellschaft ein hoher “Wert” ist, und wenn Transparenz auch tatsächlich (gepaart mit Vielfalt als Korrekturmechanismus) sichergestellt ist, dann ergeben sie viele andere “Werte”, die das Leben erfreulicher machen, fast von selbst.

An Leute, die es nicht anders kennen: Ich habe in Ländern gelebt, in denen es “zum Schutz” des Volkes keine Pressefreiheit gibt. (Allerdings gibt es da nicht unzufälligerweise auch keine echten Wahlen, über die die Presse frei berichten könnte.) Wir haben in Deutschland wirklich etwas zu verlieren. Darum geht mein Dank und mein Respekt an all die vielen Journalisten, die es den Parteien nicht erlauben, die Wähler für dumm zu verkaufen.

Merkel in der Falle

Dienstag, 22. September 2009

Wachstum über Alles

Satire
Georg Schramm über mediale Volksverblödung und Wachstum

Wachstum und Verzicht
Angela Merkel weiß als Physikerin um die Grenzen des Wachstums. Es wäre fast besser, sie wäre unredlich ignorant. Aber vermutlich sind Politiker in dieser Frage inzwischen nur noch hilflos, wenn Wirtschaftswachstum immer noch ihre Priorität ist. Wenn sie Angela Merkel meint, starkes Wirtschaftswachstum sei in einer für physikalisches Wachstum zunehmend begrenzenden Umwelt möglich, dann müsste sie hinsichtlich des Wirtschaftens die Systemfrage stellen. Einer der wichtigsten Gründe von Politikern, sich Alternativen zu einer wachstumsabhängigen Leistungsentlohnung der Menschen schon von vorneherein nicht anzusehen, sind die befürchteten Konsequenzen. Das Thema ist immer noch so gefährlich, dass Johan Schloemann meint, es vorsichtshalber ins Lächerliche ziehen zu müssen, damit seine Leser seinen Kommentar überhaupt durchlesen:

  • Johan Schloemann, SZ, 2009-09-16: Einfach besser leben, Seit der Studie des Club of Rome von 1972 haben Wachstumszweifel in Deutschland Konjunktur – erneut versuchen nun Kapitalismuskritiker, den Verzicht als Gewinn zu definieren.)
    “Um sich vom Wachstum zu lösen, ‘müsste es echte Opfer geben. Das will aber keiner hier.’”
    Helmut Schmidt, Kirchentag Bremen, 2009-05
  • Benedikt Fehr und Holger Steltzner, Interview mit Josef Ackermann und Hans Christoph Binswanger, FAZ, 2009-06-30: Es fehlt das Geld. Nun gut, so schaff es denn!
    “Natürlich kann man diskutieren, ob dieses ‘faustische Streben’ nach immer mehr, immer größer, immer schneller richtig ist. Aber man muss sich dabei auch bewusst sein, dass mit weniger Geldschöpfung und weniger Wachstum wahrscheinlich auch der allgemeine Wohlstand geringer sein wird.”
    Josef Ackermann
  • Dieter Westhoff: Interview mit Harald Welzer, Tagesschau 2008-07-09: Nur ein neuer Lebensstil kann Klimakriege verhindern

Bruttosozialglück
http://www.google.de/search?q=bruttosozialglück
http://de.wikipedia.org/wiki/Bruttonationalglück
http://en.wikipedia.org/wiki/Gross_National_Happiness
Ein König hat es zugegebenermaßen etwas leichter, für sein Volk das Bruttosozialglück zu definieren. Aber ganz so unscharf und schwammig ist dieser Begriff nicht, als dass man ihn mit Willkür in besitz nehmen könnmte. Schon der Versuch, Metriken für Lebensqualität zu finden hilft bei der Richtungsbestimmung. Das “Glück” kann mit soziometrischen Methoden beobachtet werden:

Literatur

Sprache
Unter den Arbeiten, die im Jahr 2005 den Studienpreis der Körber-Stiftung erhielten, möchte ich Philipp Krohns Ausweg Wachstum? Sprache in einer begrenzten Welt besonders hervorheben.

Fakten
Keiner kann mit Sicherheit sagen, wieviele Menschen auf die Erde passen. Klar ist jedoch: Innerhalb von wenigen Jahren hat sich der “Fußabdruck” (das ökologische Gewicht) des einzelnen und durchschnittlichen Menschen in einer Weise und Geschwindigkeit um Größen vervielfacht, für die es in der für uns relevanten Umwelt kein anderes Beispiel gibt. Das verstärkt die rein zahlenmäßige Bevölkerungsexplosion unserer Art. Anzunehmen, dass sich dieses Wachstum fortsetzt, ist Wahnsinn.

Ursprünglich hatte Geld die Aufgabe, als Kommunikationsmedium zu dienen, mit dem Werte (und Bezugsrechte für Werte) in einer sich selbst dynamisch normierenden Weise mitgeteilt werden. Das ist so bequem geworden, dass wir das Bild von den Realitäten in der Wirtschaft gerne mit der Wirtschaft selbst verwechseln. Aber wenn die Abbildung wirtschaftlicher Wirklichkeit wächst, heißt das noch lange nicht, dass die Wirtschaft selbst wächst. Wirtschaftswachstum kann auch sehr gut das Wachsen der Knappheit von Ressourcen anzeigen. Das ist, was passiert – und irgendwo scheinen wir das alles doch schon zu ahnen.

Fast wünsche ich mir, dass die Verteidiger des Wachstumszwangs von reiner Bosheit getrieben wären und nur eigene und kurzfristige Interessen verfolgten. Aber ich befürchte, dass unsere “Eliten” einfach keine Hoffnung mehr haben, dass die Menschen in intelligenter Weise von einer Wacstumswirtschaft zu einer Erhaltungswirtschaft finden. Mit ihrer Asbildung muss Angela Merkel es zumindest für unwahrscheinlich halten, dass sich das von ihr gepredigte Wachstum aufrecht erhalten lässt. Das sie trotzdem auf Wachstum setzt, zeigt, wie hilflos Politik schon geworden ist.

CSU-Sofortprogramm

Montag, 21. September 2009

Relevant für Verteilungsfragen sind im “Sofortprogramm” der CSU zur Bundestagswahl 2009 die angestrebten Senkungen der Einkommensteuer. Mit “den Menschen muss mehr Netto vom Brutto bleiben” wird auch versucht, der Abwanderung von Wählern von den Unionsparteien zur FDP mit FDP-Themen entgegenzuwirken. Mit “Schwarz-Gelb” als Angriffsziel der SPD wird gleichzeitig mit Kritik an der FDP versucht, die gelbe Breitseite der angedachten Koalition zu verkleinern. Ich glaube, Schwarz-Gelb wird durch die Steuersenkungs-Vorschläge der CSU keine Wähler dazugewinnen. Es geht um die Mehrheiten innerhalb von Schwarz-Gelb, ganz besonders in Bayern.

Am wenigsten konkret und zur Kühlung der Volksseele geschrieben ist die Forderung der CSU, dass es zu Boni für Manager auch Mali geben müsse. In der Not sind solche Selbstverständlichkeiten einfacher zu erkennen.

Zum Kündigunsschutz gibt es keine Aussagen in dem Programm. Mit “Da sage ich dreimal Nein! Es soll sich niemand einbilden, dass er mit der Auflösung des Kündigungsschutzes mehr Arbeitsplätze schafft. Dafür gibt es weltweit kein Beispiel,” zitierte zuvor BILD (2009-09-06) Horst Seehofer. Im CSU-Grundsatzprogramm von 2007 steht allerdings: “Die Schutzbestimmungen im Arbeitsrecht dürfen aber nicht unvertretbare Hürden für Arbeitssuchende sein. Weil die Wirtschaft zunehmend international arbeitet, müssen nationale Regeln mehr Flexibilität ermöglichen.” Im Grundsatzprogramm der großen Schwester CDU von 2007 heißt es: “Schutzbestimmungen auf dem Arbeitsmarkt bzw. das Arbeitsrecht sollen so ausgestaltet sein, dass sie Arbeitslosigkeit nicht begünstigen. Eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes, die die Beschäftigungsaussichten für Erwerbslose verbessert, ist daher ein Gebot der Gerechtigkeit. Es muss gelten: Vorfahrt für Arbeit. In diesem Sinne muss die Aufgabe des fairen Interessenausgleichs gemeinsam mit den Tarifvertragsparteien angenommen werden.”

Aus meiner Sicht wäre eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes mit einer gleichzeitigen deutlichen Verbesserung der Absicherung von Arbeitssuchenden, wie sie beispielsweise in Dänemark praktiziert wird, ein überlegenswerter Weg. Innerhalb des universalistischen Modells Skandinaviens mit seiner steuerfinanzierten Staatsbürgerversorgung gibt es hier stimmige Lösungen, die aber zu höheren Steuerbelastungen führen. Man käme zu Tarifen, die sicherlich nicht Steuersenkungen darstellen, wie sich die Unions-Parteien und die FDP das vorstellen.

FDP: mehr!FDP-Wähler fürchten eine Umverteilung der Krisenkosten zu ihren Lasten. Sie wollen aber auch in Krisenzeiten nicht weniger, sondern mehr. Für die FDP ist der Ruf nach Steuersenkungen nicht riskant, denn in der die Klientel der FDP wird Besteuerung sogar mit Diebstahl verwechselt. Der Erfolg der FDP ausgerechnet in einer Zeit des Marktversagens ist kein Widerspruch, denn von der FDP versprechen sich ihre von der Union abgewanderten Wähler, für die Folgen der Krise nicht so sehr in Anspruch genommen zu werden, wie von anderen Parteien. (Die von den Folgen der Krise am schmerzhaftesten in Anspruch genommenen Bürger wählen die andere Klientelpartei: Die Linken.)

Für die Unions-Parteien als Volksparteien sind die Folgen des Rufs nach Steuersenkungen unberechenbarer. Die Schwesterparteien könnten versucht sein, unterschiedliche Signale zu senden, um breitere Bevölkerungsschichten für sich zu gewinnen. Gleichzeitig könnten aber auch Wähler von der einen Schwesterpartei mit Thesen verschreckt werden, die die andere Schwester sich nicht auszusprechen traut. Auch kann die Union Seehofer populistisch den Kündigungsschutz verteidigen lassen, ohne bei einer späteren Aufweichung des Kündigunsschutzes der Wahllüge bezichtigt zu werden. Er spricht ja nicht für die nion insgesamt. Wie das Spiel ausgeht, wird sich nach der Wahl zeigen.