Im ZDF kurz vor Ende des gestrigen Sonntags entdeckte Peter Sloterdijk eine “neofrovole Stimmung” und empfahl Gunnar Heinson. Da fand ich dies: FAZ.net 2008-04-26 Die Verführung zur globalen Zockerei. Und es geht schon wieder weiter. Die versammelten Philosophen enteckten, dass mit den Wirtschaftstheorien irgendwas nicht stimmt. Wer hätte das gedacht? Das Beklagen der Lernunfähigkeit liegt aber daneben. Denn es geht um Lernunwilligkeit. Nach der Krise ist vor der Krise.
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Neofrivole Stimmung
Montag, 26. Oktober 2009Zwei Grenzen des Wachstums
Sonntag, 11. Oktober 2009Le Monde diplomatique, Karl Georg Zinn, 2009-07-10:
Sättigung oder zwei Grenzen des Wachstums
John Maynard Keynes hat über die kleine Not des Augenblicks hinausgedacht
Geldspam
Dienstag, 29. September 2009Schon der Gedanke, Geldtransaktionen mit 0.05% zu besteuern, bringt Leute im Spekulationsgeschäft in Rage. Sie leben vom Hin- und Herschieben von Geld, sie leben also von möglichst hoher Ineffizienz wie die Fliegen von… – na ja, lassen wir das lieber. Die Betreiber des Kommunikationssystems, auf dem unsere Wirtschaft aufbaut, haben ein Interesse an möglichst viel ineffizienter Geldbewegung. So sieht das Kommunikationssystem dann ja auch aus. 95% des Geldes ist heute Buchgeld, das man in riesigen Mengen elektronisch herumschieben kann. Geld ist zu einem der ineffizientesten Kommunikationsmedien geworden, das man sich denken kann. Eine Spekulationssteuer von 0.05% würde wohl allzu sichtbar machen, wie das Finanzsystem Rauschen erzeugt, eine Reibungshitze, an dem sich dann Wenige auf Kosten Vieler gut wärmen. Und noch immer erkennt kein “Wirtschaftsweiser” diesen Geldspam als das, was er ist: Wahnsinn und Verschwendung.
Wenn der Mensch kostenlos kommunizieren darf, dann gibt er halt überwiegend Müll von sich. Alleine von Januar 2009 bis August 2009 stieg der Spam-Anteil bei Emails von etwa 70% auf etwa 88%. Da richten sich die Menschen ein fortschrittliches Speiseliefersystem ein und schicken dann vorwiegend Gülle auf den Weg. Nicht anders ergeht es unserem Geld als wunderbar generalisiertes und zur Befreing von lästiger Verantwortung geschaffenes Kommunikationsmedium.
Da bietet sich die Tobinsteuer als Abfallsteuer an. Wer der Öffentlichkeit dienende Medien mit Dreck belastet, soll das meinetwegen machen dürfen. Aber dieser Entropieexport in das Eigentum Aller muss wenigstens anständig bezahlt werden. Selbstverständlich schränkt eine Tobinsteuer und schränken damit verwandte Steuern die Freiheit im Geldschiebegeschäft ein, insbesondere die Freiheit, eine gemeinschaftlich geteilte Infrastruktur und Umwelt vollzumüllen und damit die Freiheit Anderer mit immer mehr Dreck einzuschränken.
Unverstandener Gini
Montag, 28. September 2009In Die Einkommensverteilung in Marktwirtschaften: ungleich oder ungerecht? (2007) versteht Johannes Berger von der Uni Konstanz den Gini-Koeffizienten falsch: “Naives Gleichheitskonzept: Nominale Gleichheit der Geldeinkommen pro Jahr. Diese Gleichheit ist nicht nur ein unerreichbares Ziel, sondern seine Realisierung würde massive Ungleichbehandlung einschließen. … Der Gini-Koeffizientberuht auf diesem naiven Konzept.”
Das stimmt einfach nicht. Johannes Berger stolpert über seine eigene Interpretation und wird dann noch polemisch: “Die Lorenzkurve: Der Bogen, den die Gesellschaft um die Gerechtigkeit schlägt?”. Die Diagonale in der Lorenz-Kurve ist eine Referenz für vollkommen gleichverteilte Einkommen. Sie ist eine Art “Nullinie”. Sie ist aber deswege noch lange kein Ziel. Im Gegenteil: Ein Gini-Koeffizient von 0% kann sehr wohl ein Warnsignal sein, denn völlig gleichverteilte Einkommen würden tatsächlich massive Ungleichbehandlung einschließen. Es gibt aber keinen Konsens, dass diese Gleichheit ein “Ziel” wäre. Diese Kritik am Gini-Koeffizienten ist Bellen am falschen Baum.
Gerne wird auch angeführt, dass es zu einem Gini-Koeffizient mehrere Lorenz-Kurven geben kann. Das ist richtig. Aber das ist halt so, wenn Daten zu einem einzigen Indikator aggregiert werden. Solche Indikatoren reduzieren Information, und das mit voller Absicht. Dann können sie nämlich helfen, schnell zu entscheiden, ob diese Informationen im Einzelnen genauer angeschaut werden müssen.
Ein Theil-Index (eine Theil-Redundanz) von 0% ist ja auch nicht notwendigerweise “gut”. Sie ist Null, wenn die aktuelle sich aus einer Ressourcenverteilung ergebende Entropie die maximale Entropie erreicht hat. In “naiver” Wertung von Entropie ist das meistens “schlecht”, denn das ist Stillstand, also Tod. Ist demgegenüber eine Theil-Redundanz von 1 (bzw. 100%) “gut” weil niedrige Entropie “gut” ist? Auch das wäre eine naive Wertung. Bei hohen Theil-Redundanzen (d.h. bei niedrigen Entropien) kann es ungemütlich heftige Ausgleichsprozesse geben.
Wer mit aus aggregierten Daten gewonnenen Indikatoren nicht umgehen kann, sollte nicht dort mit Kritik am Egalitarismus ansetzen. Ungleichverteilungsmaße sind keine Wertungen, sondern Wertungen ergeben sich – unter Anderem – aus Ungleichverteilungsmaßen. “The degree of inequality cannot, in general, be measured without introducing social judgements” ist zwar vom berühmten Atkinson (1983), aber auch das ist falsch. Klar kann der Grad der Ungleichverteilung (z.B. von Einkommen) gemessen werden. Erst danach wird gewertet. Ich werde in diesem Blog wohl noch oft auf Yoram Amiels kleines Buch Thinking about Inequality: Personal Judgment and Income Distributions (2000, ISBN 978-0521466967) hinweisen müssen.
Die Präsentation von Johannes Berger ist trotzdem lesenswert. Sie zeigt, wie man gut präsentiert.
Wirtschaftsunwissenschaften
Samstag, 26. September 2009Innerhalb der Wirtschaftsunwissenschaften sind wirkliche Wissenschaftler eine Seltenheit. Die große Masse pflegt Glaubenslehren. Paul Krugman ist eine dieser seltenen Ausnahmen. Trotz seiner Bekanntheit musste aber erst eine Krise kommen, um ihn zu bestätigen.
Frankfurter Rundschau: Volkswirtschaft heute
Zurück zu Keynes
Von Paul Krugman
“Auch wenn das jetzt schwer vorstellbar zu sein scheint, aber es ist noch nicht so lange her, da gratulierten sich die Volkswirte zu dem Erfolg ihrer Branche. “Das zentrale Problem der Verhütung von Wirtschaftskrisen ist gelöst”, verkündete Robert Lucas von der Universität Chicago 2003 in seiner Rede vor der American Economic Association…”
Merkel in der Falle
Dienstag, 22. September 2009Satire
Georg Schramm über mediale Volksverblödung und Wachstum
Wachstum und Verzicht
Angela Merkel weiß als Physikerin um die Grenzen des Wachstums. Es wäre fast besser, sie wäre unredlich ignorant. Aber vermutlich sind Politiker in dieser Frage inzwischen nur noch hilflos, wenn Wirtschaftswachstum immer noch ihre Priorität ist. Wenn sie Angela Merkel meint, starkes Wirtschaftswachstum sei in einer für physikalisches Wachstum zunehmend begrenzenden Umwelt möglich, dann müsste sie hinsichtlich des Wirtschaftens die Systemfrage stellen. Einer der wichtigsten Gründe von Politikern, sich Alternativen zu einer wachstumsabhängigen Leistungsentlohnung der Menschen schon von vorneherein nicht anzusehen, sind die befürchteten Konsequenzen. Das Thema ist immer noch so gefährlich, dass Johan Schloemann meint, es vorsichtshalber ins Lächerliche ziehen zu müssen, damit seine Leser seinen Kommentar überhaupt durchlesen:
- Johan Schloemann, SZ, 2009-09-16: Einfach besser leben, Seit der Studie des Club of Rome von 1972 haben Wachstumszweifel in Deutschland Konjunktur – erneut versuchen nun Kapitalismuskritiker, den Verzicht als Gewinn zu definieren.)
“Um sich vom Wachstum zu lösen, ‘müsste es echte Opfer geben. Das will aber keiner hier.’”
Helmut Schmidt, Kirchentag Bremen, 2009-05 - Benedikt Fehr und Holger Steltzner, Interview mit Josef Ackermann und Hans Christoph Binswanger, FAZ, 2009-06-30: “Es fehlt das Geld. Nun gut, so schaff es denn!“
“Natürlich kann man diskutieren, ob dieses ‘faustische Streben’ nach immer mehr, immer größer, immer schneller richtig ist. Aber man muss sich dabei auch bewusst sein, dass mit weniger Geldschöpfung und weniger Wachstum wahrscheinlich auch der allgemeine Wohlstand geringer sein wird.”
Josef Ackermann - Dieter Westhoff: Interview mit Harald Welzer, Tagesschau 2008-07-09: “Nur ein neuer Lebensstil kann Klimakriege verhindern“
Bruttosozialglück
http://www.google.de/search?q=bruttosozialglück
http://de.wikipedia.org/wiki/Bruttonationalglück
http://en.wikipedia.org/wiki/Gross_National_Happiness
Ein König hat es zugegebenermaßen etwas leichter, für sein Volk das Bruttosozialglück zu definieren. Aber ganz so unscharf und schwammig ist dieser Begriff nicht, als dass man ihn mit Willkür in besitz nehmen könnmte. Schon der Versuch, Metriken für Lebensqualität zu finden hilft bei der Richtungsbestimmung. Das “Glück” kann mit soziometrischen Methoden beobachtet werden:
- Hartmut Bossel (IISD): Indicators for Sustainable Development (Theory, Method, Applications), 1999, ISBN 1895536138
Literatur
- http://leseliste.snrk.de/#Wachstum
- Körber-Stiftung: Ausweg Wachstum? Arbeit, Technik und Nachhaltigkeit in einer begrenzten Welt, verschiedene Veröffentlichungen des Studienpreises 2005, ISBN 3531153005 und 978-3531153001
Sprache
Unter den Arbeiten, die im Jahr 2005 den Studienpreis der Körber-Stiftung erhielten, möchte ich Philipp Krohns Ausweg Wachstum? Sprache in einer begrenzten Welt besonders hervorheben.
Fakten
Keiner kann mit Sicherheit sagen, wieviele Menschen auf die Erde passen. Klar ist jedoch: Innerhalb von wenigen Jahren hat sich der “Fußabdruck” (das ökologische Gewicht) des einzelnen und durchschnittlichen Menschen in einer Weise und Geschwindigkeit um Größen vervielfacht, für die es in der für uns relevanten Umwelt kein anderes Beispiel gibt. Das verstärkt die rein zahlenmäßige Bevölkerungsexplosion unserer Art. Anzunehmen, dass sich dieses Wachstum fortsetzt, ist Wahnsinn.
Ursprünglich hatte Geld die Aufgabe, als Kommunikationsmedium zu dienen, mit dem Werte (und Bezugsrechte für Werte) in einer sich selbst dynamisch normierenden Weise mitgeteilt werden. Das ist so bequem geworden, dass wir das Bild von den Realitäten in der Wirtschaft gerne mit der Wirtschaft selbst verwechseln. Aber wenn die Abbildung wirtschaftlicher Wirklichkeit wächst, heißt das noch lange nicht, dass die Wirtschaft selbst wächst. Wirtschaftswachstum kann auch sehr gut das Wachsen der Knappheit von Ressourcen anzeigen. Das ist, was passiert – und irgendwo scheinen wir das alles doch schon zu ahnen.
Fast wünsche ich mir, dass die Verteidiger des Wachstumszwangs von reiner Bosheit getrieben wären und nur eigene und kurzfristige Interessen verfolgten. Aber ich befürchte, dass unsere “Eliten” einfach keine Hoffnung mehr haben, dass die Menschen in intelligenter Weise von einer Wacstumswirtschaft zu einer Erhaltungswirtschaft finden. Mit ihrer Asbildung muss Angela Merkel es zumindest für unwahrscheinlich halten, dass sich das von ihr gepredigte Wachstum aufrecht erhalten lässt. Das sie trotzdem auf Wachstum setzt, zeigt, wie hilflos Politik schon geworden ist.
Glaubenserhaltungslehre
Mittwoch, 16. September 2009Der Student neben mir in der S-Bahn arbeitet sein Skript durch. Grundlagen: “In der Marktwirtschaft wird der Preis durch den Preismechanismus von Angebot und Nachfrage bestimmt (Das ist ein Argument gegen Mindestlöhne)”. So steht es im Skript. So wird es abgefragt in der neuen, verschulten Universität. Ich frage ihn, ob sowas Wissenschaft sei. Abgeklärt bringt er mir bei, dass das davon abhänge, wer der Professor sei.
Die Wirtschaftswissenschaften dienen eben zu selten dazu, neues Wissen zu schaffen. Sie sind eine Glaubenslehre, genauer, eine Glaubenserhaltungslehre. Das verlangt Respekt, denn angesichts der dabei notwendigen Überwindung der unvermeidlich zunehmenden Zahl von Widersprüchen sind Gebiete wie Theologie und Wirtschaftswissenschaft wohl eine intellektuelle Herausforderung, mit der zum Beispiel die Physik nicht mithalten kann. Und wenn die Krise vorbei ist,wird die Wisseschaft wieder so auf den Strich gehen, wie zuvor. Und die Professoren werden ihre Studenten weiter marktgerecht indoktrinieren, und zwar wohl überwiegend nicht gegen deren Wunsch. Die Nachfrage der “pragmatischen” Schüler muss befriedigt werden. Mit dem Wissen müssen sie ja Geld verdienen können, was für die junge Generation eine zunehmend schwierigere Angelegenheit ist.
- Lesetips:
- Dirk Baecker, Walter Benjamin, Norbert Bolz, Christoph Deutschmann: Kapitalismus als Religion, 2002
- Björn Frank, Günther G. Schulze: How Tempting is Corruption? More Bad News About Economists, 1998
- Niklas Luhmann: Die Wirtschaft der Gesellschaft, 1988
- Robert H. Nelson: Economics as Religion – From Samuelson to Chicago and Beyond, 2003
- Tibor Scitovsky: The Joyless Economy – The Psychology of Human Satisfaction, 1992
Erlaubnis zum Pleitegehen
Dienstag, 15. September 2009Tagesschau (2009-09-15): Interview mit dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger
“Banken müssen pleite gehen dürfen”
“Seit der Staat Banken mit Bürgschaften absichert, verlassen sich Großanleger darauf, dass sie in jedem Fall ihr Geld wiederbekommen. Davor warnt der Wirtschaftsweise Peter Bofinger im Interview mit tagesschau.de. Seine Forderung ein Jahr nach dem Aus für Lehman Brothers: Auch Banken müssen pleite gehen dürfen.”
Ein Jahr nach dem Lehmann-Crash
Dienstag, 15. September 2009SZ 2009-09-15, S. 25-26
Ein Jahr nach dem Lehmann-Crash
Das Fiasko der Ökonomie
“Wozu noch Ökonomen? Genau vor einem Jahr brach die größte Finanzkrise seit achtzig Jahren aus, und niemand hatte sie kommen sehen. Was dies für die Wissenschaft heute bedeutet. Von Nikolaus Piper, New York”
Anmerkung: Niemand hat sie kommen sehen???
SZ 2009-09-15, S. 25-26
Die Krise hat alle traumatisiert
“Ein Jahr nach Lehman: Wie die großen internationalen Ökonomen heute über die Fehler der Vergangenheit denken und was sie für die Zukunft empfehlen. Interviews von Nikolaus Piper.”
Inhaltsangabe:
- Jagdish Bhagwati: Besseres Abschätzen der Risiken neuer Finanzinstrumente nötig. “Mein brillianter Schüler Paul Krugmann” ist zu pessimistisch. Vergleich von Stiglitz (verglich Krise mit Fall der Berliner Mauer) sei töricht.
- Joseph Stiglitz: Lehmann war Folge, nicht Ursache. Lobbyarbeit der Bankenbranche habe wichtige Regularien beseitigt. Banken dürfen nicht zu groß werden.
- Robert Shiller: Kapitalismus verbessern, ihn nicht verlassen. Es kann in Marktwirtschaft schlechte Gleichgewichte geben. “Wir müssen über die Aufspaltung großewr Banken nachdenken.”
- Edmund Phelps: Mehr Transparenz. beschränkung von Boni. Agentur für Erkennen von Risiken.
- Allan Meltzer: “Keine Bank darf so groß werden, dass man sie nicht untergehen lassen kann,” ansonsten muss Öffentlichkeit mehr zahlen als was der Größenvorteil der bank bringt. Große Banken sollten überproportional mehr Eigenkapital vorhalten, wenn Bilanzsumme steigt. Federal Reserve und Gesetzgeber müssen Kriterien für Kreditvergabe der Notenbank in Krisenzeiten aufstellen.
- Jeffrey Sachs: Finanzmärkte brauchen strenge regeln. banken seien wie öffentliche Versorgungsunternehmen zu behandeln. Kritik der “aggressiven politischen Lobbyarbeit” der Wall Street.
- Guy Kirsch: Freiheit ohne Verantwortung ökonomisch verheerend. Zu boni gehören auch Mali. “Anstand” dürfe kein Fremdwort für Eliten sein.
- Markus Brunnmeier: Neue Finanzarchitektur nötig. Kriterien wie CoVar. Banken zu “Brandschutzmauern” verpflichten, um ander nicht mit in Probleme zu reißen. Antizyklische Reglungsintensität: In guten Zeiten besonders streng.
- Nouriel Roubini: Bisheriges Überwachungssystem ist schrecklich gescheitert. Einfachere und strengere Regeln erforderlich. “Gigantische” Institute sollten zerschlagen werden. Höheres Eigenkapital nötig. Fehlanreize in der Bezahlung abschaffen. Aber der politische Wille zu Reformen lässt jetzt schon wieder nach.
- Hans-Werner Sinn: Staat darf große Banken nicht pleite gehen lassen. Deswegen muss er sie auch stärker regulieren. Viel mehr Eigenkapital ist nötig, als heute. Staat darf aber nicht Bankaktionäre retten.
- Peter Bofinger: Es gibt keine monokausale Erklärung der Krise. Bündel falscher Entscheidungen ist Ursache: Fehler der amerikanischen Notenbank (Konzentration auf Geldwertstabilität 2003-2005 unter Vernachlässigung des Finanzsystems). Überforderte Aufsichtsbehörden. Im Euroraum wäre eine gemeinsame Aufsicht (verzahnt mit Notenbank) und staatliche Ratingagentur erforderlich. Keine unrealisierte Gewinne in Bilanzen zulassen. Einfache Regeln für Verhältnis von Bilanzsumme zu Eigenkapital nötig. Aber aus aktueller Diskussion wird wohl leider keine stabile Finanzmarktarchitektur hervorgehen.
- Wolfgang Franz: Systemische Risiken im Finanzsektor verhindern. Prozyklizität der Eigenkapitalunterlegung reduzieren (”Basel II” revidieren). Risikokontrolle durch bessere Corporate Governance. Aufsichtskompetenzen einer einheitlichen (internationalen oder mindestens europäischen) Bankenaufsicht ausbauen.